Aserbaidschan wirft Armenien Ausbeutung vor

von Redaktion, 7 Juni, 2021

Der 44-tägige Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die von Armenien okkupierten 7 aserbaidschanischen Distrikte sowie Berg-Karabach endete am 9. November 2020. Damit veränderte sich nicht nur die Karte des Südkaukasus radikal, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage der noch von Armenien besetzten restlichen Gebiete von Berg-Karabach, und Armenien.

Was man darunter verstehen muss, erfuhr man bereits Ende November des vergangenen Jahres mit der Erklärung der armenischen Armee, weitere Goldminengebiete an Aserbaidschan zurückzugeben, darunter die im Distrikt Kalbajar, in der sich eine der produktivsten Goldminen im Kaukasus befindet.

Berg-Karabach und die Region sind reich an Gold-, Kupfer- und anderen wertvollen Metallen

Jahrzehntelang trugen die Einnahmen aus dem Bergbau dazu bei, die armenische De-facto-Republik Berg-Karabach am Leben zu halten - auf Kosten der Umwelt, wie sich rausstellt. Im Jahr 2019 stammten beispielsweise 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von "Artsakh" - der De-facto-Republik Berg-Karabach, aus diesen Minen.

Aserbaidschan hatte Armenien während der Besetzung der 7 aserbaidschanischen Distrikte und Berg-Karabach jahrelang darauf gedrängt, die Ausbeutung der Region und der besetzten Distrikte zu unterlassen und gehofft, die internationale Aufmerksamkeit auf die "Plünderung" der Territorien lenken zu können - ohne Erfolg.

Die erhoffte internationale Aufmerksamkeit blieb Jahrzehnte aus. Dafür stieg aber beständig der Preis für Edelmetalle, wovon internationale Bergbauunternehmen profitierten, deren Spitze unter anderem von armenischstämmigen Industriellen angeführt wird.

Weltweit haben Investoren Edelmetalle für sich entdeckt, um sich vor allem gegen die Inflation abzusichern, die mit der Corona-Pandemie einhergeht und voraussichtlich die weltweite Konjunkturpolitik weiterhin negativ belasten wird. Der Goldpreis ist infolgedessen in den letzten 12 Monaten um rund 19 Prozent gestiegen. Kupfer-Preise erreichten die letzten Monate eins ums andere Mal Rekordpreise. Ob es in diesem Kontext einen Zusammenhang mit dem Paradigmenwechsel im Südkaukasus gibt?

Fest steht, dass die lukrativsten Minen nun wieder unter aserbaidschanischer Kontrolle sind und die meisten vormaligen Bergbauunternehmen nun den Kürzeren ziehen werden. Bergbauunternehmen wie Base Metals oder Gold Star sind nun aus dem Rennen und müssen mit Verlusten in mehrstelligen Millionenhöhe rechnen. Schlimmer noch, Baku drängt darauf, dass die Nutznießer zur Verantwortung gezogen werden. Andere, die bereits vor der Zeit der Okkupation Lizenzen von Baku erworben hatten oder mit der Regierung nicht auf Kriegsfuß stehen, dürften die Gewinner sein.

Wo es Gewinner gibt, da gibt es auch Verlierer in der zweiten oder dritten Reihe. Frankreich zeigte sich wie Kanada erzürnt - beide machen dafür auch Ankara verantwortlich. Das erklärt womöglich auch die Reaktion der beiden Industrienationen - "Artsakh" nachträglich anzuerkennen zu wollen. Offenbar sind die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Armenien derart eng, dass die Verluste der Region eigene Interessen konterkarieren.

So wurde die Goldmine von Zod/Sotk bis November 2020 von der Bergbaufirma GPM Gold betrieben, die zu 100 Prozent der in Zypern registrierten GeoProMining Investment gehört und einem Konglomerat von russischen Oligarchen zugerechnet wird. Bis zur Befreiung der Region spülte die Mine jährlich an die 58 Millionen US-Dollar an Steuern an die armenische Besatzungsmacht. GPM Gold könnte nun aufgrund der Kontakte zu Baku, weitere 18 Jahre Erz abbauen - so groß sollen die Erzvorkommen sein.

Bis November 2020 wurde die Mine von Gyzilbulakh/Drmbon von der Base Metals betrieben, die eine Tochtergesellschaft der Vallex Group ist. Vallex Group ist ein armenisches Unternehmen, die unter anderem im Bergbaubetrieb tätig ist. Nach eigenen Bekundungen war es allein für 32 Prozent des BIP von "Artsakh" verantwortlich.

Die Goldmine von Vejnali/Tondirget wird von dem schweizerisch-armenischen Staatsbürger Vartan Sirmakes geführt, Armeniens Konsul in Marseille und Mitbegründer der Luxusuhrenmarke "Franck Muller". Sirmakes hat nun ein Problem, weil Baku die Schweiz um Amtshilfe bei der strafrechtlichen Verfolgung von Sirmakes für seine Rolle beim Betrieb der Mine gebeten hat.

Die aserbaidschanischen Staatsanwälte beschuldigen zudem Vallex Group und Base Metals der "fast vollständigen Erschöpfung" der Minen. Sie werfen den Bergbauunternehmen vor, zwischen 2009 und 2017 rund 302 Millionen Manat (heute rund 178 Millionen US-Dollar) an "illegalen Gewinnen" abgeschöpft zu haben. Einem Bericht des aserbaidschanischen Außenministeriums aus dem Jahr 2019 zufolge, wird den Bergbauunternehmen zudem vorgeworfen, die Umgebung der Minen durch das Zyanidlaugeverfahren unwiderruflich verseucht zu haben. Das gehe aus hochauflösenden Satellitenbildern hervor, in denen Rückhaltebecken zu erkennen sind.

Das Baku nicht von ihrer Position abweicht, die "Verantwortlichen" des "Raubbaus" zur Verantwortung zu ziehen, erkennt man an den jüngsten Verlautbarungen des aserbaidschanischen Präsidenten Aliyev. Wenn die armenischen Unternehmen "keine Entschädigung zahlen" würden, erklärte Aliyev am 6. Januar, würde Baku ein internationales Schiedsverfahren gegen die Bergbauunternehmen einleiten. "In der heutigen Welt gibt es keinen Platz für Unternehmen und Menschen, die in einem anderen Land illegal natürliche Ressourcen ausbeuten und davon profitieren. Daher müssen sie für den Wert des Goldes und anderer natürlicher Ressourcen sowie für die Schäden an der Umwelt gerade stehen, die sie illegal erbeutet und verseucht haben."

Dagegen kann sich das Bergbauunternehmen Anglo-Asian Mining freuen, die auf diese Zeitenwende jahrzehntelang gewartet hatte. Seit 1997 besitzt das Unternehmen eigentlich die von Aserbaidschan gewährten Rechte an drei größeren Goldvorkommen, die sie seit der Okkupation durch Armenien nicht erreichen konnte. In einer Pressemitteilung vom 27. Oktober 2020 gab Anglo-Asian Mining bekannt, dass sie sich darauf freue, das 300 Quadratkilometer große Lizenzgebiet Vejnali zu erschließen.

Anglo-Asian Mining wurde von Reza Vaziri aufgebaut, einem ehemaligen Beamten der vorrevolutionären iranischen Regierung und heute Präsident, CEO und größter bekannter Anteilseigner von Anglo-Asian Mining. Vaziri ist ausschließlich in Aserbaidschan tätig. Nach Vaziri ist der zweitgrößte Anteilseigner des Unternehmens der frühere Gouverneur John H. Sununu aus New Hampshire, der als republikanische Stabschef von Präsident George H. W. Bush fungierte und 9,4 Prozent des Unternehmens besitzt. Sununus Sohn Michael ist ebenfalls im Vorstand von Anglo-Asian Mining. Ein weiterer Sohn, Chris, ist derzeit Gouverneur von New Hampshire.

Mit der Zeitenwende hat Aserbaidschan nicht nur seine territorialen Gebiete zurückerobert, sondern neue Märkte wieder erschlossen. Währenddessen kann Armenien nicht auf die nächste wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie hoffen, wenn die reichen Gold-, Kupfer- und anderen wertvollen Metallvorkommen abhandengekommen sind.

Armenien und die "Republik Artsakh" zogen auf verschiedene Weise ausländische Unternehmen an, illegal in die besetzten aserbaidschanischen Gebiete zu investieren. Dies stand eigentlich im Widerspruch zu den internationalen Konventionen. Bis zuletzt waren 69 ausländische Unternehmen ohne Erlaubnis der aserbaidschanischen Regierung in Baku in den besetzten aserbaidschanischen Gebieten tätig. Zu diesen Unternehmen gehörten Global Gold, Arslanian, Lincy, mehrere Teppichwebereien, Holzverarbeitungsunternehmen und andere Fabriken aus den USA, First Dynasty Mines, Sterlite Gold Ltd., Grand Tobacco, FD aus Kanada, Akopian, Vartanian, Framaton, Mak- Mak Adamas, Pernod Ricard aus Frankreich, Siemens, Schneider aus Deutschland, Simon Petroleum Technology aus Großbritannien, Partex aus Portugal, Franck Müller, Andre Group, Alpoto aus der Schweiz, Australiya Nairi Ltd., Tida Joint Venture aus Australien und FKX aus Argentinien.

Laut einer Statistik aus Baku wurden 35 Prozent der besetzten Gebiete in dieser Zeit für 20 Jahre an Ausländer und ausländische Unternehmen verpachtet. 37 Prozent der Wälder, die besetzt gehalten wurden, standen unter der Kontrolle ausländischer Unternehmen.

Nur innerhalb von 8 Monaten nach 2006 wurden 897 Hektar Waldgebiet zerstört. In diesem Bereich arbeiteten 7 Holzverarbeitungsbetriebe französischer, belgischer, US-amerikanischer, iranischer, griechischer, japanischer und deutscher Unternehmen illegal in diesen Gebieten. Die OSZE-Beobachter konnten den Transport von gefällten Bäumen aus den Wäldern von Kalbajar regelrecht mitverfolgen.

Die Unternehmer aus Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten hatten 111 Millionen US-Dollar für Mineralwasserquellen in den besetzten aserbaidschanischen Distrikten Lachin und Kalbajar investiert. Ab März 2007 wurden die Quellwässer von Lachin und Kalbajar abgeschöpft und in arabische Länder transportiert und verkauft.

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