Die Cumhuriyet Halk Partisi CHP ist eine kemalistische und seit den 1960er-Jahren eine sozialdemokratische Partei in der Türkei. Sie wurde 1923 vom Staatsgründer und ersten türkischen Präsidenten, Mustafa Kemal Atatürk, gegründet und ist somit die älteste aktive Partei des Landes.
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Willkommen am wohl teuersten Monopoly-Tisch der türkischen Politik. Hauptakteur: die CHP. Hier werden keine Straßen gekauft, sondern Ämter, Parteipositionen, Villen und Loyalitäten gehandelt. Die Würfel entscheiden über „Positionen“, die Ereigniskarten tragen den Titel „geh ins Gefängnis“, und statt über die Schlossallee wird über Amtssitze, Millionenbeträge und Villen diskutiert. Die eigentliche Frage lautet jedoch nicht, wer gerade auf welchem Feld steht. Sondern: Wer blufft, wer sagt die Wahrheit – und wer muss am Ende tatsächlich bezahlen?
Es gibt in der Politik zwei Disziplinen, in denen jeder Weltmeister ist: Schuldzuweisungen und Prozentrechnung. Wobei Letztere häufig der Ersteren geopfert wird.
Nein, niemand ist während des Putschversuchs in der Türkei im Sommer 2016 vom Hochhaus auf F-16 gesprungen und hat diesen geritten oder haben türkische Hausfrauen mit Pantoffeln Kampfhubschrauber zur Landung gezwungen. Aber wenn unzählige Menschen sich unbewaffnet vor Panzer werfen, sich ihnen entgegenstellen, auf Militärfahrzeuge klettern und trotz vollbewaffneten Kampfjets auf den Straßen bleiben, während um sie herum Menschen zerrissen werden, dann ist die eigentliche Geschichte beeindruckend genug und die Übertreibung nur die Kirsche auf einer ohnehin unglaublichen Sahnetorte.
Express in die Zukunft – mit Verspätung von sechs Jahren. Es gibt Sätze, die man sich für die Ewigkeit aufheben sollte. Einer davon stammt von Ekrem İmamoğlu, anno 2020, frisch im Amt als Oberbürgermeister von Istanbul, voller Tatendrang: “2021’in 6. ayında başlar hale getireceğiz. 4 yılda bitecek.” Im Juni 2021 sollte es losgehen, vier Jahre später, also spätestens Mitte 2025, sollte man mit dem Hızray durch Istanbul rasen können – von Beylikdüzü bis zum Flughafen Sabiha Gökçen, 74,5 Kilometer, 13 Stationen, ein Tunnel unter dem Bosporus, der die Stadt endlich zusammenhalten würde wie ein guter Schal im Winter.
Der türkische Oppositionsanführer Özgür Özel bewegt sich rhetorisch manchmal wie jemand, der gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen will – und sich wundert, dass er dabei gelegentlich auf viele Füße tritt. Nichts neues in der Partei CHP, deren einstiger und gegenwärtiger Parteichef Kemal Kılıçdaroğlu genau dieselben taktischen Fehler machte, wie jetzt sein ehemaliger Ziehsohn und gegenwärtige Parteikontrahent Özgür Özel.
Politik kann manchmal herrlich unterhaltsam sein. Das ist nicht nur Deutschland vorbehalten. Jahrzehntelang erklärte man uns Türken, die Türkei müsse sich aus regionalen Konflikten heraushalten. Der bekannteste Leitspruch der modernen Türkei bedeutet ja übersetzt „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“. Es stammt von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Türkischen Republik und wurde 1931 geäußert.
„Betrüger“, „Verräter“, „Verschwindet“ – so skandierten heute früh Hunderte Anhänger von Özgür Özel vor dem türkischen Nationalparlament. Sie hatten sich versammelt, um die angekündigte Fraktionssitzung der CHP zu begleiten, die Özel an diesem Morgen abhalten wollte. Angekündigt hatte sich auch sein Rivale Kemal Kılıçdaroğlu.
Monatelang wurde der Eindruck erweckt, die Türkei stehe unmittelbar vor einem politischen Erdrutsch. Der abgesetzte ehemalige CHP-Parteichef Özgür Özel sprach von einer historischen Wende, von einer Regierung und von einer Parteiführung unter Kemal Kılıçdaroğlu ohne Rückhalt und von einer Nation, die nur darauf warte, bei vorgezogenen Neuwahlen endlich ihr vernichtendes Urteil über die "Diktatur" und dem "Verräter" zu sprechen. Die Forderung war daher immer dieselbe: Sofortige Neuwahlen. Jetzt. Nicht morgen, nicht nächstes Jahr.