Das Bundesverdienstkreuz und Ahmad Mansour

von Nabi Yücel, 10 Juli, 2022

Der sogenannte deutsch-israelische Extremismus-Experte Ahmad Mansour wird für seinen Einsatz gegen Antisemitismus und für Integration mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), überreicht dem 46-Jährigen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Giffey betonte bei der Ehrung, dass die Lebenserfahrung von Mansour als Palästinenser in Israel glaubwürdig erscheine. Nur um zu verstehen, was Mansour für eine Lebenserfahrung gesammelt hat: Mansour wuchs als Sohn einer palästinensischen Familie in Israel auf. In jungen Jahren kam er angeblich mit dem „Islamismus“ in Kontakt und nur sein Psychologiestudium rettete ihn davor, mit Sprengstoffgürtel durch Tel Aviv zu irren. Mansour beendete sein Studium in Berlin und beschäftigt sich seither nur mit „Extremismus“.

Bislang plädierte Mansour dafür, den „Islam“ im Inneren zu reformieren. Jüngst, vor der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz, erklärte Mansour in der FAZ, „Der Islam wird sich nicht integrieren“. Mit was für einer Person haben wir es hier also zu tun? Rückblick:

Die DW und fünf palästinensische Mitarbeiter

Im Frühjahr 2022 entließ die Deutsche Welle DW fünf Mitarbeiter der arabischen Redaktion. Ihnen warf man vor, sich in „sozialen Medien“ antisemitisch und „israelfeindlich“ geäußert zu haben. Teils lagen die von den Mitarbeitern schon lange gelöschten mutmaßlichen Aussagen 10 Jahre zurück. Die DW begründete die Kündigung der Mitarbeiter mit dem Ergebnis einer Untersuchung. Mit der Untersuchung wurde Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie das Ehepaar Beatrice und Ahmed Mansour beauftragt.

Eine der fünf Mitarbeiter ging vor das Arbeitsgericht in Bonn und klagte gegen die Kündigung. Sie gewann vor kurzem den Prozess. Das Bonner Arbeitsgericht entschied, dass die Deutsche Welle die palästinensische Journalistin Maram Salem aufgrund falscher Anschuldigungen des Antisemitismus rechtswidrig entlassen habe.

„Die ihr vorgeworfenen Facebook-Posts waren nicht antisemitisch, die Kündigung damit unbegründet und rechtswidrig, stellte das Gericht in der Anhörung fest“, heißt es in einer Erklärung ihres Anwalts Ahmed Abed. Sprich, Schnarrenberger sowie das Ehepaar Beatrice und Ahmed Mansour lagen mit ihrem Gutachten gründlich daneben.

„Irrsinn! Eine Frau, die Deutsche „Kartoffeln“ nennt, soll jetzt gegen Rassismus kämpfen“

Als die Politologin und Publizistin Ferda Ataman als neue Antidiskriminierungsbeauftragte vorgestellt wurde, regte sich Widerstand. Allen voran Ahmed Mansour gab sich zum Besten, im FOCUS Ataman ihre Reputation abzusprechen. Ferda Ataman sei eine „fatale Fehlbesetzung“, weil sie ein einfaches Weltbild habe: „Deutschland ist durch und durch rassistisch“. Damit schaffe es Ataman, eine neue Gruppe herabzuwürdigen. Was Mansour dabei nicht wahrnahm ist, dass ein Zeigefinger von ihm zwar auf Ataman gerichtet war, aber vier weitere auf ihn selbst zeigten. Und dieses doppelte kontroverse Selbstbild kann ein Psychologe nicht wahrnehmen?

Amnesty International und die israelische Apartheid

Im selben Frühjahr attestierte Amnesty International (AI) Israel „ein System der Unterdrückung und Herrschaft gegen das palästinensische Volk“, die im Grunde ein Apartheidsystem gegen das palästinensische Volk sei.

Ahmed Mansour relativierte den Bericht von AI in einem Gastbeitrag in der WELT damit, dass die Realität „viel komplexer, als die Verfasser dieses Berichts sich offenbar vorstellen können“ sei. Mansour weiter: „Wer die Hintergründe verstehen und konstruktiv zur Beilegung des Konflikts beitragen wolle, müsse die historische Perspektive miteinbeziehen.“ Was Mansour diesmal als „komplex“ verklärt, kann aber bei den hiesigen Muslimen einfach erklärt werden?

Die Figur Mansour ist viel komplexer

Mansour kam 2004 nach Deutschland, um sein Studium zu beenden. Er konnte kein Deutsch, kann es bisweilen noch immer nicht akzentfrei. Mansour braucht(e) für seine „Islam-kritischen“ Thesen, Artikel, Bücher oder Gutachten eine Armee von Dolmetschern, Editoren, Helfer oder Lektoraten, und selbstverständlich ein Konto, das gut gedeckt ist.

Auf der anderen Seite brauchte Mansour eine gute Reputation, um seine Wirkung auf Deutsche als „Islamismus-Experte“ voll zur Entfaltung zu bringen. Seit 2012 wird Mansour mit Preisen regelrecht überhäuft.

„Der Koran und der Islam sind zu wichtig, um sie den Hodschas zu überlassen.“ - Alija Izetbegović

Wer oder was auch immer das so wollte, dass Ahmed Mansour einen Senkrechtstart hinlegt und die Muslime sowie die islamische Gemeinschaft in Deutschland zur Vollkommenheit zurechtstutzt; es war gut geplant und damit beabsichtigt. Mansour sollte diese Rolle übernehmen. Nun wird Mansour den Muslimen in Deutschland als verdienter Chefaufklärer präsentiert, als ein weiterer Inquisitor des Wertewestens. Man hat ihn der islamischen Gemeinschaft in Deutschland soeben als solchen mit dem Bundesverdienstkreuz offiziell vorgestellt.

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