Deniz Yücel und die Mär vom 24. April

von Nabi Yücel, 25 April, 2022

Es herrscht in Deutschland inzwischen gesellschaftlicher Konsens, dass am 24. April 1915 der sogenannte Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich begann. Dazu beigetragen hat der Bundestag, der 2016 die Geschehnisse während des Ersten Weltkriegs als Völkermord einstufte.

Geprägt vom eigenen Völkermord-Erbe heraus hat Deutschland die Vergangenheit eines anderen Landes verinnerlicht und übt sich in der Rolle als Vermittler zwischen Türken und Armeniern. Dabei wird aber vorausgesetzt, dass die eine Seite Schuld anerkennt, die andere diese Schuld gesühnt sieht. Das Perfide daran ist, dass der Bundestag damals wie heute betont, dass das Deutsche Reich damals an dem sogenannten Völkermord eine Mitschuld getragen habe, womit von vornherein die Schuldfrage längst geklärt ist.

Dieses idealistische und vom Überlegenheits- und Gerechtigkeitsdünkel geprägte europäische Selbstbild eines aus sich selbst erneuernden und re- generierenden Gebildes - quasi eine Art zivilisatorisches Perpetuum Mobile - war und ist ein folgenschwerer Mythos, der in der Vergangenheit viel Leid über den Rest der Welt gebracht hat.

Dieses idealistische überlegene Selbstbild der Europäer befällt nun auch teils Deutsche mit Migrationshintergrund, die darin aufgehen wie Hefeteig, weil sie an den Annehmlichkeiten teilhaben wollen, die ihnen aufgrund ihres Migrationshintergrundes verwehrt blieb. Prominentestes Beispiel ist Deniz Yücel, der promovierte Türkei-Haftanstalt-Geschädigte und jetzige PEN-Vorsitzende.

In einem Tweet erklärt uns Deniz Yücel erneut, wer zur zivilisatorischen Moderne gehöre und wer nicht. In der modernen Zivilisation stelle man sich der „historischen Wahrheit“ oder bleibe rückständig, so Deniz Yücel in seinem Tweet.

Zur „historischen Wahrheit“ gehöre laut Deniz Yücel, dass die Türken an Armeniern einen Völkermord begangen haben, Punkt aus! Die Historie sei quasi belegt, weil 2016 vor dem deutschen Konsulat manche türkische Demonstranten „Es gab keinen Völkermord, aber wenn nötig, machen wir noch einen" skandiert hätten.

Historie ist aber, so banal es auch klingt, a) nicht statisch und b) nicht durch vereinzeltes Gehabe von Demonstranten belegt. Es ist Aufgabe der Historiker, die Wahrheit zu ergründen und dem am nächsten zu kommen. Deshalb ist Historie auch nicht statisch, weil eine akademisch erarbeitete mutmaßliche Wahrheit die andere ablösen kann. Im Umkehrschluss könnten die Türken in Zusammenhang mit den Demonstranten vor dem deutschen Konsulat ihre These genauso untermauern, in dem sie auf die Kontinuität zwischen den unzähligen Morden in der jüngeren Geschichte der Türkischen Republik durch die armenische Terrororganisation ASALA an türkischen Diplomaten und Zivilisten sowie den 500.000 ermordeten Türken durch armenische Freischärler während des Ersten Weltkriegs hinweisen.

Wie unreif Deniz Yücel dabei vorgeht, ist eine Sache. Sich als Nabel der Welt zu betrachten und im Namen der „zivilisatorischen Moderne“ mit dem erhobenen Finger fuchteln, eine andere. Er muss nur spitzbekommen, dass es die Türken nicht tangiert. Denn, letztendlich hat die Türkei eigene Gesetze, eine eigene Kultur und Wertevorstellung, die das Volk souverän macht.

Wenn jemand diese Gesetze übertritt, muss mit den Konsequenzen klarkommen, denn die Gesetze werden im Namen des Volkes durchgesetzt und die Urteile fallen im Namen des Volkes. Wer diese Kultur- oder Wertevorstellung missachtet, der muss mit Gegenwind rechnen und wird zwangsläufig durch gesellschaftlichen Druck zur Räson gebracht. Nicht anders als in Deutschland, versteht sich! Davon kann Deniz Yücel ja ausgiebig berichten, wie es sich verhält, wenn man gegen ein Gesetz bzw. gegen kulturelle Werte verstoßen hat; wie eine Terrororganisation offenbar lieblich ins Herz schließen. Rückblick:

O-Ton Deniz Yücel in der „taz" vom 28.01.2015: „(....) vor allem die Kämpferinnen und Kämpfer der PKK (...) haben auch nicht allein (...) für die westliche Welt gekämpft, sondern für nicht weniger als die menschliche Zivilisation. Oder wie es Stéphane Charbonnier, der ermordete Chefredakteur von Charlie Hebdo, im Oktober vorigen Jahres formulierte: „(...) sie sind die Menschheit, die sich der Finsternis widersetzt.“ (...)"

Der O-Ton ist nur ein Beispiel für Deniz Yücels pathetische völkisch-kurdische PKK-Propaganda. Denn, daraus leitete er damals zugleich die Forderung nach Aufhebung des PKK-Verbotes ab. Nicht viel später wechselt er als Türkei-Korrespondent zur „WELT". Von außen betrachtet wirkt es natürlich ungewöhnlich und man fragt zu Recht danach, was denn dahinter steckt, wenn ein glühender PKK-Sympathisant wie Deniz Yücel von der linksalternativen "taz" zu einem konservativen Flaggschiff der regierungsnahen deutschen Presse wechselt, um in einer Zeit als Türkei-Korrespondent eingesetzt zu werden, in der nicht nur der Konflikt mit der PKK neu aufgeflammt ist, sondern - das sollte man nicht vergessen - Deutschland in US-Gefolgschaft mehr oder minder offen als Verbündeter des PKK-Ablegers in Syrien auftritt.

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang insbesondere auch an jene Aussage, in der der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel davon sprach, dass "wir die Amerikaner immer davor gewarnt haben, mit der YPG an der Grenze zur Türkei eine PKK-Proxy-Organisation zu züchten". Mit "wir" kann er ja nur die Bundesregierung meinen, der er seinerzeit angehörte.

Stellt sich nun die Frage, warum die Bundesregierung diese Haltung auch gegenüber der eigenen deutschen Öffentlichkeit nicht in dieser Deutlichkeit kommuniziert hat. Stattdessen hat man tatenlos zugesehen, wie PKK-nahe Lobbyisten in Politik und Medien die Hoheit über den damaligen Diskurs gekapert haben. Unterm Strich räumte ein ehemaliger Bundesaußenminister also offen ein, dass der Westen - namentlich die Amerikaner - eine antitürkische Terrororganisation an der türkischen Südgrenze "gezüchtet" hat.

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