Russland fordert YPG zum Rückzug auf

Die Türkei und Russland hatten bereits 2019 beschlossen, dass die völkisch-kurdische Terrororganisation YPG aus dem nordsyrischen Grenzgebiet abziehen muss – andernfalls würden sie mit Konsequenzen rechnen, hieß es damals. Jetzt fordert Generaloberst Alexander Chayko die YPG erneut auf, sich aus der 30 km. tiefen Sicherheitszone zu entfernen.

Bereits Ende 2019 sah die russisch-türkische Einigung den Abzug der völkisch-kurdische YPG aus Grenzgebieten in Nordsyrien vor, um den Sicherheitsinteressen der Türkei zu genügen. Daraufhin hatte Moskau den Ableger der Terrororganisation PKK, die YPG, massiv unter Druck gesetzt. Sollte die Miliz mit ihren Waffen nicht aus den Gebieten abziehen, würden „die verbleibenden Formationen … von der türkischen Armee in der Tat zermalmt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass. 

Passiert ist seitdem aber wie in der westlich kontrollierten nordsyrischen Region nichts. Nach wie vor verüben YPG-Zellen Anschläge auf syrische Gebiete, in der die Türkei eine Sicherheitszone für syrische Binnenflüchtlinge eingerichtet hat. Zudem operieren aus den YPG-kontrollierten Gebieten heraus Terrorzellen in der Türkei. Zuletzt wurden bei einem Bombenanschlag in Istanbul 6 Menschen getötet, 81 weitere zum Teil schwer verletzt.

Im syrischen al-Hasaka traf sich der russische Generaloberst Alexander Chayko nun mit dem Führer der YPG sowie der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), Mazlum Kobane, um die Bedingungen aus Moskau zu übermitteln. Laut dem libanesischen TV-Sender Al Mayadeen habe Chayko der YPG/SDF übermittelt, was es zu tun habe, um eine bevorstehende militärische Intervention der Türkei abzuwenden. 

Demnach forderte der russische Generaloberst Alexander Chayko Mazlum Kobane auf, sich hinter die 30 km tiefe Sicherheitszone zurück zu ziehen. Andernfalls könne man nicht mehr garantieren, dass das türkische Militär gegen sie vorgeht, so der TV-Sender. 

Eine Bericht der Al Arabiya zufolge, lehnte der Sprecher der SDF, Aram Hanna, die Bedingungen Moskaus ab. Man lehne jede Bedingung der Türkei kategorisch ab, berichtet der TV-Sender aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Laut dem arabischen TV-Sender Al Jazeera kann die Militäroperation der Türkei nur verhindert werden, wenn das syrische Regime die Kontrolle über die Regionen Tall Rifaat, Manbidsch und Ain al-Arab (Kobanê) übernimmt und die PKK/YPG vertreibt.

Bereits zuvor waren Mazlum Kobanê (eigentlicher Name Ferhat Abdi Şahin bzw. mit dem Kodenamen Şahin Cilo) und US-General Michael Kurilla (CENTCOM) zusammen gekommen, um über die aktuelle Lage zu sprechen. Die türkische Regierung macht vor allem die USA für ihre lasche Anti-Terrorpolitik in Nordsyrien verantwortlich, und damit indirekt auch für den Bombenanschlag von Istanbul vom 13. November. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte angekündigt, in Regionen vorzudringen, in der Terrororganisationen weiterhin ihr Unwesen treiben würden; darunter Manbidsch, Ain al-Arab (Kobanê) und Tall Rifaat.

In den vergangenen Jahren hatte die Türkei drei größere Bodenoffensiven durchgeführt. Am 24. August 2016, am 20. Januar 2018 sowie am 9. Oktober 2019 startete die Türkei Operationen am Boden, um YPG/SDF/PKK-dominierte syrische Gebiete zu befreien.

Mazlum Kobanê gilt als persönlicher Freund des PKK-Führers Abdullah Öcalan . In den 1990er führte er Terroranschläge in den ländlichen Gebieten von Şemdinli in der Türkei durch. Mazlum Kobanê musste nach dem Adana-Abkommen der Türkei mit Syrien 1997 Syrien verlassen und ging nach Europa, wo er bis 2003 für die PKK politisch aktiv blieb, bevor er in den Irak reiste, wo er wieder in den bewaffneten Kampf überging. Laut türkischen Quellen diente er 2005 als Mitglied des Oberkommandos der PKK. Mazlum Kobanê war von 2009 bis 2011 Mitglied des Sondereinsatzausschusses der Volksverteidigungskräfte (HPG), dem militanten Arm der PKK. Danach wurde Mazlum Kobanê von der PKK nach Syrien entsandt, um inmitten des damals eskalierenden syrischen Bürgerkriegs die Aktivitäten der YPG in Nordsyrien zu organisieren.

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