Türkei: Ukraine erhält unkompliziert kriegsentscheidende Waffen

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Während in Europa über die Lieferung von schweren Kampfpanzern an die Ukraine debattiert wird, liefert die Türkei laut einem US-amerikanischen Magazin seit Ende 2022 weitere kriegsentscheidende Waffen. Neben schweren gepanzerten Truppentransportern und Kampfdrohnen sollen nun DPICM geliefert worden sein, sogenannte Artilleriegeschosse mit Raketengefechtskopf, heißt es im Bericht. Der ukrainische Botschafter in Ankara hat den Bericht dementiert.

Laut ukrainischen Insidern entspricht der Bericht der Foreign Policy nicht der Wahrheit, wonach die Türkei bereits Ende 2022 mit der Lieferung umstrittener Munition begonnen habe, mit der russische Vorstöße und Grabenstellungen effektiv verhindert bzw. zerstört werden können. Experten zufolge würden Waffen wie Kampfdrohnen und DPICM´s in Zusammenspiel verheerende Folgen für angreifende feindliche Einheiten oder feindliche eingegrabene Stellungen haben, heißt es im Bericht weiter.

Die Ukraine habe nach monatelangem vergeblichen Ringen um effektivere europäische oder US-amerikanische Waffen die türkische Regierung um Hilfe gebeten. Der NATO-Verbündete soll dann im November 2022 damit begonnen haben, der Ukraine Bestände von DPICM´s zu liefern, die während des Kalten Krieges in Kooperation mit den USA entwickelt, hergestellt und modernisiert worden seien.

Die aufgrund ihrer Wirkung umstrittenen Streubomben werden von der Artillerie abgeschossen und werfen kurz vor dem Auftreffen mehrere bis Dutzende kleine Explosivbomben ab, die in einem bestimmten Streuradius auftreffen und feindliche Panzer oder Truppen zerstören können. Umstritten sind Streubomben, weil sie eine höhere Blindgängerrate vorweisen und nach Kriegsende für Zivilisten gefährlich werden können.

Während in Europa die Regierungen monatelang über das Für und Wider von schwereren Waffen debattieren würden, springe Ankara erneut ein, um den verzweifelten Ukrainern zu helfen. Die Lieferung von Waffen, die den russischen Vorstoß in die Ukraine behindern oder gar zurückschlagen, sei vor allem für Ankara ein Drahtseilakt, den sie seit Beginn des Konflikts im Februar 2022 eingehe.

Die Unterstützung der Ukraine mit Bayraktar TB2-Drohnen habe dazu geführt, dass der russische Vormarsch auf Kiew gestoppt werden konnte. Dennoch habe Ankara im selben Augenblick ein Abkommen zwischen der Ukraine und Russland über Getreidelieferungen aushandeln können, das u. a. den Vereinten Nationen ermöglicht habe, dringend benötigte Lieferungen an die Dritte Welt zu sichern, so Foreign Policy weiter.

Der Schritt der Türkei, nun auch umstrittene Waffen zu liefern, resultiere aus der Tatsache, dass sich die USA weigere, DPICMs zu liefern. Die Ukraine konnte, nach dem auch Europäer bislang nicht über ihren eigenen Schatten springen wollten, nur noch die Türkei um Hilfe bitten, schreibt Foreign Policy. Ein Insider aus den USA sagte laut dem Magazin, es zeige, dass die Türkei, obwohl sie im NATO-Verbund noch als einzige einen direkten Draht zu Russland unterhält, zum wichtigsten Unterstützer der Ukraine avanciert ist.

Den Bericht über die jüngsten Lieferungen von DPICM-Waffen habe weder das türkische Außenministerium, noch das ukrainische Verteidigungsministerium kommentieren wollen, so das Magazin.

Die Rüstungsunternehmen MKE A.Ş. sowie ROKETSAN hatten bis 2005 Mehrzweck-Artilleriegeschosse entwickelt und produziert, die eine größere Reichweite wie auch Zuverlässigkeit vorwiesen. Diese Munition konnte von 155mm- wie auch 122mm-Kanonen abgefeuert werden. 2008 verpflichtete sich die Türkei selbst, das seit 2010 wirksame Übereinkommen über Streumunition einzuhalten, ohne diese Konvention ratifiziert zu haben. Dies verbietet die Entwicklung, Herstellung und den Export solcher Waffen.

Der ukrainische Botschafter in Ankara, Vasyl Bodnar, dementierte den Bericht und spricht in einem Interview mit der Habertürk von einer gezielten Desinformation.

Experten die zu diesem Bericht von der Habertürk im TV-Bericht hinzugeschalten wurden erklärten, dass diese Art von Waffen während des Kalten Krieges in US-Lizenz gebaut wurden und ohne eine ausdrückliche Ausfuhrgenehmigung der USA der Export nicht möglich sei, auch wenn sie sich im Inventar des türkischen Militärs befänden.

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