Israel fußt auf Mord, Totschlag, Vertreibung

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Wie die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet, behaupten Israelis seit langem, dass die Palästinenser „freiwillig“ aus ihren Häusern und von ihrem Land geflohen seien und so erst die Gründung Israels ermöglichten. Neu aufgetauchte und bewertete israelische Dokumente besagen was anderes. Demnach haben zionistische Milizen Massaker, Vergewaltigungen und Vertreibungen verübt, um im Land etwa 800.000 Palästinenser zu vertreiben oder ethnisch zu säubern und so den Staat Israel im Jahre 1948 zu gründen.

Laut der Haaretz sind in den Dokumenten und Aufzeichnungen, Augenzeugenberichte über den Krieg von 1948 (von den Palästinensern als Nakba (Katastrophe) bezeichnet) enthalten, die von Kommandeuren der zionistischen Milizen verfasst wurden, welche den Kern des israelischen Militärs bildeten.

Die Dokumente wurden entdeckt, nachdem vor zwei Jahren jemand in einem Tel Aviver Viertel Kisten mit Tausenden von Dokumenten neben einem Müllcontainer abgestellt hatte. Deren Auswertung widerlegt „vollständig die israelische Darstellung, nach der die arabischen Einwohner des Landes auf Geheiß ihrer eigenen Führer aus eigenem Antrieb geflohen seien.“

Die Zoologin Ronit Zilberman entdeckte die Kisten mit tausenden Dokumenten neben einem Müllcontainer im Tel Aviver Stadtteil Ramat Hahayal. Zilberman kontaktierte das Akevot Institute for Israeli-Palestinian Conflict Research, welches die Unterlagen sichtete und deren historische Bedeutung (insbesondere militärische Befehle aus dem Jahr 1948) erkannte. Nach einer zweijährigen Phase der Archivierung und Forschung wurde die Geschichte unter dem Titel "Terror Was Needed to Make Arabs Leave" veröffentlicht.

Die Dokumente enthalten einen Kriegsbericht von Jitzchak Broschi, dem Kommandeur von Golanis 12. Bataillon. Broschi schreibt, er habe den Befehl gegeben, das Dorf Arab a-Zabah, eine Beduinensiedlung in Untergaliläa, zu zerstören und alle dort anzutreffenden Personen zu töten. „Jeder Araber unter den Zabahim ist zu töten“, heißt es in seinem ausdrücklichen Befehl.

In einem anderen Fall befahl Broshi seinen Truppen, nach der Eroberung des Gebiets, um den Berg Turan in Untergaliläa nach dort versteckten Arabern zu durchsuchen. „Tötet jeden, der sich versteckt“, lautete damals der Befehl von Broshi.

Haaretz merkt an, dass, obwohl seit der Nakba, die die Israelis als „Unabhängigkeitskrieg“ bezeichnen, fast 80 Jahre vergangen sind, viele Dokumente in den israelischen Archiven weiterhin geheim gehalten werden. Daher baue das „historische Gedächtnis in Israel auf einer Täuschung“ auf.

Ethnische Säuberung und demografische Verschiebung

„Es lässt sich nun anhand einer beeindruckenden Beweislage bestätigen, dass die israelische Armee (IDF) während des Unabhängigkeitskrieges Araber systematisch und gewaltsam vertrieben hat. Die Vertreibung erfolgte durch Massaker, Morde und eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielten, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und ihre Flucht zu beschleunigen“, so das Fazit von Haaretz.

„Wie vertreibt man ein Dorf?“, fragte u.a. Maxim Cohen in einem Dokument, ein Kommandeur der Carmeli-Brigade. „Man schneidet einem Araber vor aller Augen das Ohr ab, und alle fliehen. In der Praxis wurde kein Dorf evakuiert, ohne jemanden zuvor in den Bauch zu stechen oder ähnliche Methoden anzuwenden. Wir siegten nur dank der Angst der Araber, und sie fürchteten sich nur vor Taten, die gegen das Gesetz verstießen.“

Haim Ben-David, der später den Rang eines Generalmajors erreichte und Militärsekretär des ehemaligen Premierministers David Ben Gurion wurde, erklärte in einem Dokument, dass die Befehle zur Tötung und Vertreibung palästinensischer Zivilisten während des Krieges von 1948 mündlich und nicht schriftlich erteilt wurden.

„In unseren Einsatzbefehlen achteten wir sorgfältig darauf, das Töten nicht zu erwähnen. Die Verhaltensanweisungen wurden den Bataillonskommandeuren mündlich übermittelt“, erklärte Ben-David.

Widerstand der Zivilbevölkerung mit Tod brechen

Yisrael Carmi, ein Bataillonskommandeur der 7. Brigade, gab an, dass er während der Eroberung von Beerscheba im Oktober 1948 den Befehl gegeben habe, dass jeder Palästinenser, der sich der Vertreibung widersetze, hingerichtet werden solle.

„Ich habe die Stadt erobert“, sagte Carmi aus. „Bei der Säuberung des Gebiets gab ich den Befehl, jeden, der auf der Straße erschien, zu vernichten, ob er Widerstand leistete oder nicht. Es wurde befohlen, alles zu zerstören. Nach der Einnahme der Polizeistation – nach der Kapitulation – hörten die Morde auf. Bis dahin wurden alle getötet – Frauen, Kinder, alle. Dann wurde den Leuten befohlen, nach Hebron zu gehen. Wer nicht ging, wurde beseitigt.“

Ohne Terror keine Vertreibung

Mordechai Maklef, ein Einsatzleiter, erklärte in einem weiteren Dokument: „Die Absicht war die Ausweisung.“

„Es ist unmöglich, 114.000 Menschen, die [in Galiläa] lebten, ohne Terror zu vertreiben. Es muss ein gewisses Maß an anfänglichem Terror gegeben haben, damit sie gingen.“

Auf Stumm gleichgeschaltet

Um diese Geschichte zu verschleiern, hat Israel von den 17 Millionen Akten im israelischen Staatsarchiv und im Archiv des Heeres und des Verteidigungsministeriums lediglich eine Million Akten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Den Mitarbeitern des Archivs wurde befohlen, „Materialien zu verbergen, die dem Ansehen der Armee schaden und sie als Besatzungsarmee ohne moralische Grundlage darstellen könnten, die gewalttätiges Verhalten gegenüber der arabischen Bevölkerung und grausame Taten (Tötung, Mord) an den Tag legt.“

Den Mitarbeitern wurde des Weiteren befohlen, die Veröffentlichung von Dokumenten zu verhindern, die die „Vertreibung von Arabern“ und „Befehle zur Misshandlung von Eindringlingen [Araber, die versuchen, in ihre Dörfer zurückzukehren]“ belegen.

Obwohl jetzt die neuen Dokumente ausgewertet worden sind, die Israels Morden und Vertreiben von Palästinensern zur Gründung des Staates belegen, hatten einige israelische Führungskräfte bereits zuvor und intern das eingeräumt, was die Palästinenser seit Jahrzehnten behaupten.

Man suchte nach einem Erklärungsansatz für die Nakba

Während einer Kabinettssitzung nach dem Krieg von 1948 erörterte, der damalige israelische Innenminister Jitzchak Grünbaum, wie die Befehle zur „Säuberung des Gebiets“ erteilt worden waren.

„Wer diese Angelegenheit von außen betrachtet, kann keine Erklärung für die Flucht der Araber finden. Es liegt auf der Hand, dass sie zur Flucht gezwungen wurden, weil sie ausgeraubt, vergewaltigt, ermordet und vertrieben wurden“, erklärte er.

Frauen, Alte und Kinder, ausnahmslos alle

Eines der größten Massaker während der Nakba ereignete sich in der Stadt Dawayima in der Region Lachisch in der nördlichen Negev. Laut der Aussage des Soldaten Meir Efron gegenüber der Partei Mapam heißt es: „Es gab keinen Kampf und keinen Widerstand. Die ersten Eroberer töteten 80 bis 100 arabische Männer, Frauen und Kinder.“

„Ein Kommandant befahl dem Pionier, zwei alte arabische Frauen in ein bestimmtes Haus zu bringen und es mit ihnen darin in die Luft zu sprengen. Ein anderer Soldat prahlte damit, eine arabische Frau vergewaltigt und sie dann erschossen zu haben. Eine Frau, die ein Neugeborenes im Arm hielt, arbeitete als Putzfrau. Sie arbeitete ein oder zwei Tage, und am Ende erschossen sie sie und ihr Baby.“

Haaretz weist darauf hin, dass laut Hunderten von Zeugenaussagen von Palästinensern, die der palästinensische Historiker Salah Abd al-Jawad gesammelt hat, während der Nakba mindestens 100 Massaker an Zivilisten stattfanden, und zwar in jedem fünften Dorf, das von Israels jungem Militär erobert wurde.

Bei sechs der Massaker ermordeten israelische Truppen zwischen 50 und 100 Opfer. Jawads Forschung ergab, dass bei der Eroberung des Gebiets, das später Israel wurde, ein vierstufiges Muster zu erkennen war: Israelische Truppen umzingelten Dörfer von drei Seiten und terrorisierten die palästinensischen Bewohner mit Schüssen und Artilleriebeschuss; sie erlaubten einigen Einheimischen die Flucht in Nachbarländer; sie ermordeten diejenigen Bewohner, die nicht flohen, insbesondere Männer im Alter von 15 bis 50 Jahre und sie sprengten und verbrannten Häuser, oft mit Menschen darin.

Israelische Truppen wenden seit 2023 ähnliche Methoden im Gazastreifen an. „Da war von Anfang an das gleiche Muster zu erkennen. Israel hat nach dem 7. Oktober, dass für den Tod von schätzungsweise 100.000 Palästinensern im Gazastreifen verantwortlich ist, kein einziger Soldat wegen Mordes oder Totschlags angeklagt. Zum jetzigen Zeitpunkt wurde lediglich ein Soldat wegen Plünderung vor Gericht gestellt“, bemerkt Haaretz.

„Die Leugnung der Verbrechen von 1948 hat jahrzehntelange Konflikte angeheizt. Was wird die Leugnung der Verbrechen in Gaza über uns noch bringen?“, fragt die israelische Zeitung.