Israels Endloskriege: Arroganz stößt an Grenzen

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Wie arrogant doch die fast schon freudige Verkündung des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu war: „Wir haben die Hisbollah in einen strategischen Hinterhalt gelockt und werden sie nun schnell zerschlagen“. Die Hisbollah im Libanon ist aber in besserer Verfassung als von Israel erwartet und es gibt keine Anzeichen für eine Verminderung ihrer Schlagkraft. Im Gegenteil, die "Feinde" Israels bestimmen nun das Tempo und gewinnen an Deutungshoheit.

Verglichen mit dem, was vergangenes Jahr und heute Abend im südlichen Libanon und im Norden Israels geschehen ist; die Hisbollah ist in besserer Verfassung als von Israel tatsächlich erwartet. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Hisbollah seit Beginn des Gaza-Kriegs von 2023 bis 2025 eine verminderte Schlagkraft besitzt. Schlimmer noch, das Raketenarsenal ist wohl intakt und umfasst nach jüngsten Meldungen mehr als 10.000 Raketen. Es scheint, als habe die Führung der Hisbollah nach der Ermordung des iranischen Ayatollah Ali Chamenei bewusst beschlossen, gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Es ist fast schon tragikomisch, dass die Iraner und die Hisbollah jetzt das Tempo des von Israel und den USA begonnenen Angriffskriegs selbst bestimmen und gestern wie heute Abend mit weiteren Eskalationen angedroht haben, während US-Präsident Donald Trump weiterhin von einem Waffenstillstand spricht und Netanjahu wie ein Schoßhündchen abnickt. Die israelische Zensur über das Ausmaß der Zerstörungen in Haifa, Tel Aviv oder im Umland von Jerusalem und die faktisch ignorierte weltweite Warnung vor einer Ausweitung der Eskalation im gesamten Nahen Osten - ausgenommen hierbei Friedrich Merz - unterstreichen nur, dass der vermeintliche „Feind“ nun nicht nur die Deutungshoheit besitzt, sondern auch das Tempo bestimmt.

Kein Wunder, wenn sie eine Partei vor sich haben, die sich wie Clowns aufführen: Ein Verteidigungsminister wie der israelische Israel Katz, der behauptet, dieser jüngste Angriffskrieg sei „zeitlich unbegrenzt“, offenbart damit eigentlich, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat; dass er weder Sicherheitsverständnis besitzt noch diplomatisches Geschick oder eine Strategie zur Hand hat.

Wer sich mit Sicherheit auskennt, weiß, dass das ständige Kriegsgebot eigentlich bedeutet, kurze Feldzüge zu führen, die in einem siegreichen politischen Schritt gipfeln, der die militärischen Erfolge festigt und langfristige Sicherheit bringt. Krieg braucht daher kein Zeitlimit, es braucht vielmehr eine Ausstiegsstrategie und vor allem hierzu einen Verteidigungsminister, der sich nicht wie ein Clown aufführt.

Doch seit zweieinhalb Jahren zeichnet sich diese israelische Regierung nur in einer Sache aus: Fronten zu eröffnen – und darin stecken zu bleiben, um weitere Fronten zu eröffnen. Unterdessen leben die israelischen Bürger zwischen Alarm-App und Schutzraum, wundern sich dann auch noch, weshalb es kein Ende nimmt. Dabei haben sie nur das geliefert bekommen, was sie bestellt haben.

Ich frage mich nun angesichts dieser Diskrepanz, wie die israelische Bevölkerung, die jüngst bei einer Umfrage noch auf Seiten der Regierung stand, zu diesen Besatzungs- und Angriffskriegen nun steht. Wie viele Kriege will Israel und die USA eigentlich noch durch K.O. „gewinnen“? Wie viele "vollständige Siege" will sie noch erringen und für sich verbuchen? Um wie viele Jahrzehnte will sie den „Feind“ noch zurückwerfen, ihn in die Steinzeit bomben, all seine Anführer und deren Nachfolger töten, deren Infrastruktur Stück für Stück zerstören, es von der Hüfte abwärts amputieren und ihm jegliche Motivation rauben, auch nur Pieps zu sagen. Ich frage mich, wie oft das noch geschehen wird, bevor diese Vollpfosten erkennen, dass sie eigentlich de facto besiegt worden sind.