Die PKK: Gibt es legitimen Terror?

von Enver Kasa, 7 August, 2022

Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Terror der PKK in der Türkei hat in Europa erschreckende Ausmaße angenommen. Kaum zeigt der Terror aber ihre hässliche Fratze in Europa oder betrifft Europäer im Ausland selbst, kann der Terror nicht oft genug verurteilt werden.

Seit 2016 hat in der Türkei die Zahl der Terroranschläge rapide abgenommen. Von einst 23 Terroranschlägen der PKK und 5 Terroranschlägen des Islamischen Staat IS im Jahre 2016, sank die Zahl im Jahre 2019 auf ganze zwei Terroranschläge, die auf die PKK zurückzuführen sind.

Mit ein Grund für die Abnahme des Terrors in der Türkei ist, dass die PKK nun viel mehr Gelände kontrollieren will, als es ihr aber möglich ist. Der Versuch, während des syrischen Bürgerkrieges das entstandene Machtvakuum auszunutzen, im Nordirak die autonome irakisch-kurdische Regionalregierung ebenfalls unter Kontrolle zu bringen, bindet viele Terroristen, die wiederum anderswo fehlten. Das erklärt auch den Heißhunger des Terrors nach jungen Menschen und Kindern, die ihre Ideologie mit Gewalt im Dreiländereck durchsetzen sollen.

Die türkische Regierung wiederum, intensivierte ihren Kampf gegen Terror und nutzte dabei auch ihren technologischen Fortschritt vollumfänglich aus. Inzwischen können Terroristen der PKK nicht ohne weiteres von irgendeinem Nachbarland heraus über die menschenleeren Gebiete in die Türkei einsickern, ohne von Grenzschützern bemerkt oder von Drohnen entdeckt zu werden.

Während der Hochphase des Terrors schafften viele Anschläge in der Türkei es gar nicht in die europäischen Nachrichten oder landeten als Kurzmeldungen auf den hintersten Seiten der Tageszeitungen. Die Opfer blieben dabei stets namens- und gesichtslos. Dass in anderen Weltregionen tagtäglich schlimmste Verbrechen begangen werden, berührte daher auch niemand ernsthaft. Solange die Gewalt fernab geschah, war die Welt noch in Ordnung.

Viele haben sich aber auch an Meldungen, die es bis hierher geschafft haben, gewöhnt. Es stumpft ab, Gleichgültigkeit nimmt zu. Interessant wird es erst wieder, wenn es erfahrbar, erfassbar wird.

Als der Terror europäische Hauptstädte wie Paris, Madrid oder Berlin erreichte, da waren alle plötzlich wieder hellhörig und machten sich große Sorgen. Man forderte härtere Strafen und die Justiz beugte sich dem Willen der europäischen Bevölkerung und deren Gemütszustand.

Als der Terror des Islamischen Staates IS aus dem Schatten des Terrors des syrischen Regimes trat, erkannte die PKK die Bedeutung, sich als Gegner und zugleich als Opfer der IS zu vermarkten. Die alltäglichen Terroranschläge der PKK in der Türkei erfuhren während dieser Phase eine nie dagewesene Gleichgültigkeit. Man schob die Verantwortung dafür gar insgeheim unter dem Label des nun als autoritär gehandelten türkischen Präsidenten. Damit wurde Unrecht zu Recht, Terror zu Verteidigung.

Der Terror bekam einen neuen Anstrich, neue edle Motive wurden ihm zu gedichtet, von Vertretern in Europa, von sogenannten Demokraten und Menschenrechtlern. Sie würden Minderheiten vor dem Aussterben retten, den "Islamistischen" Terroristen die Stirn zeigen, hieß es inzwischen. Das wurde in Europa so vermarktet, entsprechende Titelschlagzeilen schmückten von jetzt an die Hochglanzgazetten.

Die gezielten Angriffe auf Zivilisten, die Unterdrückung von anderen Kulturen und Religionen, der Diebstahl der Jugend und Kindheit im Namen einer hehren Ideologie, im Sinne edler Ziele, wurde indessen im Schatten des Islamischen Staates IS fortgesetzt. Mit moderneren westlichen Waffen, mit logistischer und nachrichtendienstlicher Unterstützung des Westens, die die sogenannten „Milizen“ der PKK antrieben, gegen die IS vorzugehen.

Der Westen erkannte sehr wohl, dass die Unterstützung einer Terrororganisation, die eigenen hehren Ziele im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus untergraben würde, ja sogar später auf die eigenen Füße fallen würde. So riet man der PKK, sich einen neuen Namen auszusuchen, sich umzubenennen. Diesen Rat nahm die PKK unwidersprochen an und heißt in Syrien seitdem SDF.

In Europa interessiert sich seitdem niemand mehr für die zivilen Opfer in Syrien, für Entführungen von Jugendlichen und Kindern, die dann zu Waffen umfunktioniert werden, gerade weil dieser Terror zuvor erfolgreich legitimiert wurde. Geächtet wurde nun der Kampf der syrischen Opposition, die in die Bedeutungslosigkeit fallen gelassen wurden, seitdem Opfer des syrischen Regimes ist. Geächtet wird nun der Kampf der Türkei gegen eine Terrororganisation, die Mithilfe des Westens einen neuen Anstrich bekam.

Es gibt aber keinen legitimen Terror, der einen anderen Terror bekämpfen kann und darf, nur weil es ein neues Gesicht bekommen hat. Terror kann keine edlen Ziele verfolgen, Opfer vor anderem Terror schützen, wenn es selbst für seine Existenz Opfer verursacht und mutwillig in Kauf nimmt.