Getreideabkommen: Gestern angerufen, heute gehts weiter

von Redaktion, 2 November, 2022

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Wladimir Putin überredet, die Aussetzung des Getreideabkommens rückgängig zu machen. Moskau hatte das Abkommen am Samstag ausgesetzt.

Nach dem Russland am Samstag aus dem Abkommen mit der Ukraine ausgetiegen war, nach dem die russische Schwarzmeerflotte mit Drohnen angegriffen worden war, setzte sich der türkische Staatspräsident Erdoğan dafür ein, dass die Getreidelieferungen aus der Ukraine fortgesetzt werden können. 

Nach Angaben des russischen Militärs wurde der Angriff, den Moskau der Ukraine unter Beteiligung britischer Spezialisten anlastet, teilweise von dem für den Getreidetransport genutzten Schiffskorridor aus durchgeführt. Ziel der Drohnenangriffe waren nach Angaben Moskaus auch Schiffe, die beim Schutz der Getreide-Konvois im Einsatz gewesen seien, berichtet die WELT.

Kiew bestreitet bislang, den Sicherheitskorridor des Getreideprogramms für militärische Zwecke genutzt zu haben. Das Getreideabkommen wurde von Russland und der Ukraine unter Vermittlungsbemühungen der Türkei und den Vereinten Nationen im Juli ausgehandelt, um die weltweite Hungerkrise zu lindern, die zum Teil durch Moskaus Einmarsch in der Ukraine, einem wichtigen Getreideproduzenten, und eine frühere Blockade der dortigen Häfen verursacht wurde. Es soll am 19. November auslaufen.

Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist nach einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Putin am Dienstag eine Fortführung der Getreidelieferungen gelungen. Erdoğan erklärte, der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe seinen türkischen Amtskollegen Hulusi Akar angerufen und ihm mitgeteilt, dass das Getreidekorridor-Abkommen ab Mittwoch fortgesetzt werde.

„Nach dem Gespräch, das wir gestern mit Herrn Putin geführt haben, werden die Getreidelieferungen ab heute um 12 Uhr wie geplant fortgesetzt“, so Erdoğan vor der Fraktionssitzung der regierenden AKP.

Auf die Frage, wie es ihm gelungen sei den russischen Präsidenten zu überreden, sagte Erdoğan: „Überlassen Sie das mir. Zuerst werde ich es Ihnen erklären, dann Biden“. Kurz nach Erdoğans Äußerungen erklärte auch das russische Verteidigungsministerium, das Land werde seine Beteiligung an dem Schwarzmeer-Kornabkommen wieder aufnehmen.

„Die Russische Föderation ist der Ansicht, dass die derzeit erhaltenen Garantien ausreichend sind, und nimmt die Umsetzung des Abkommens wieder auf“, so das Verteidigungsministerium in einer Erklärung.

Das Ministerium erklärte, dass es dank der Beteiligung der Vereinten Nationen und der Türkei möglich gewesen sei, von der Ukraine schriftliche Garantien zu erhalten, dass sie den humanitären Korridor und die ukrainischen Häfen nicht für militärische Operationen gegen Russland nutzen werde.

Die Erklärung stellte eine Kehrtwende Moskaus dar, das zuvor erklärt hatte, es sei riskant und inakzeptabel, dass Schiffe weiterhin durch den humanitären Korridor fahren, der im Rahmen einer von der Türkei und den Vereinten Nationen im Juli vermittelten Vereinbarung eingerichtet wurde.

Erdoğan sagte am Mittwoch, dass die Vereinbarung den Lieferungen an afrikanische Staaten, darunter Somalia, Dschibuti und Sudan, Vorrang einräumen würde. Dies entspreche den Bedenken Russlands, dass der Großteil des Getreides in reicheren Ländern lande.

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