Es gibt Politiker, die verkaufen eine Mondlandung – und liefern die Wiedereröffnung einer Straße. Donald Trump und Benjamin Netanjahu scheinen nach ihrem großen Abenteuer gegen den Iran genau in dieser Kategorie zu landen.
Wochenlang wurde die Welt mit dramatischen Ankündigungen versorgt. Das iranische Regime stehe vor dem Zusammenbruch. Das Atomprogramm werde ausgelöscht. Die Mullahs würden zittern. Die Landkarte des Nahen Ostens werde neu gezeichnet. Die Geschichte werde in ein „Davor“ und „Danach“ geteilt.
Am Ende steht die Frage: Welches Danach eigentlich? Und warum wurde die “Drecksarbeit” nicht vollendet?
Wenn man den politischen Glanzprospekten glaubt, wurde ein historischer Sieg errungen. Wenn man die tatsächlichen Ergebnisse betrachtet, dann erinnert die Sache eher an einen Immobilienmakler, der eine Luxusvilla verspricht und dem Käufer schließlich die Schlüssel für eine Gartenhütte überreicht.
Die iranische Revolution hoch zwei blieb aus. Das Regime, noch radikaler als zuvor. Das Atomprogramm blieb zumindest als politische Realität bestehen. Die iranische Führung sitzt weiterhin in Teheran und nicht in einem Exilhotel am Mittelmeer.
Was also wurde erreicht?
Nun, die Straße von Hormus ist offen.
Eine bemerkenswerte Leistung. Vor allem deshalb, weil sie zuvor ebenfalls offen war.
Man stelle sich die Pressekonferenz vor:
„Meine Damen und Herren, wir haben einen historischen Krieg geführt.“
„Und was wurde gewonnen?“
„Die Rückkehr zum Ausgangspunkt.“
Selbst für politische Verhältnisse ist das eine kreative Definition von Erfolg.
Besonders interessant ist die Rolle Netanjahus. Jahrelang galt er als Meister der politischen Inszenierung. Der Mann konnte PowerPoint-Präsentationen halten und dabei den Eindruck erwecken, die Apokalypse beginne spätestens nächsten Dienstag.
Doch inzwischen scheint selbst in Washington die Geduld begrenzt zu sein.
Die engsten Berater Trumps sollen Berichten zufolge wenig Vertrauen in Netanjahus Analysen haben. Das ist ungefähr so, als würde ein Gebrauchtwagenhändler seinem Kollegen vorwerfen, die Kilometerstände zu optimistisch zu frisieren.
Wenn selbst Washington beginnt, skeptisch zu werden, dann ist das politisch gesehen kein gelber Warnhinweis mehr. Das ist die rot blinkende Warnleuchte mit Sirene.
Trump wiederum steht vor einem eigenen Problem.
Seine politische Marke basiert auf dem Versprechen, Amerika aus endlosen Kriegen herauszuhalten. Seine Anhänger wollen Grenzzäune, Fabriken und Steuersenkungen sehen – keine geopolitischen Abenteuer mit offenem Ausgang.
Deshalb wirkt die nachträgliche Kommunikation fast verzweifelt.
Aus dem angekündigten vernichtendem Regimewechsel wird plötzlich Stabilität.
Aus der Vernichtung einer Zivilisation wird Abschreckung.
Aus dem historischen Wendepunkt wird ein taktisches Signal.
Kurz gesagt: Aus dem Feuerwerk wird eine PowerPoint-Präsentation.
Die eigentliche Ironie liegt jedoch woanders.
Je größer die Ankündigung, desto größer die Fallhöhe.
Wer verspricht, einen Berg zu versetzen, wird an einem Berg gemessen.
Wer verspricht, die Welt zu verändern, wird nicht dafür gefeiert, dass eine Schifffahrtsroute wieder genauso funktioniert wie vorher.
Vielleicht ist das die wichtigste Lehre dieser Episode.
Politik kann vieles ersetzen: Fakten durch Narrative, Probleme durch Schlagzeilen und Realität durch PR.
Aber irgendwann kommt der Moment, in dem die Rechnung präsentiert wird.
Und dann stellt sich die unangenehme Frage:
Wenn der Sieg so groß war, warum muss man ihn dann ständig erklären?
Die Geschichte kennt viele militärische Erfolge, die sich selbst erklärten.
Wer seinen Sieg täglich neu erklären muss, hat in Wahrheit keinen errungen.