EU-Sanktionen: Deutsche Unternehmen hui, türkische pfui

Eine große Zahl von Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union und den G7-Staaten ist nach wie vor in Russland tätig und investiert weiter, wie aus einer neuen Studie der Universität St. Gallen über Beteiligungen westlicher Unternehmen in Russland hervorgeht. Der Westen stellt dennoch die Türkei ins Rampenlicht, wenn es um Sanktionsgebote und Sanktionsbrüche gegen Russland geht.

Demnach veräußerten weniger als 9 Prozent der rund 1.400 EU- und G7-Unternehmen, die vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, Niederlassungen in Russland hatten, bis November 2022 mindestens eine Niederlassung im Land. Das geht aus den Daten von Professor Simon Evenett von der Universität St. Gallen und Professor Niccolò Pisani vom International Institute for Management Development der Universität Pompeu Fabra in Barcelona hervor.

Das bedeutet, dass die Mehrheit der europäischen oder G-7-Staaten trotz der bisher härtesten westlichen Sanktionen gegen Russland und der anhaltenden Medienberichte über die Einstellung der Geschäftstätigkeit mehrerer Unternehmen und Konzerne in Russland, seit Beginn des Ukraine-Krieges weiterhin Geschäftsbeziehungen unterhalten.

„Diese Ergebnisse stellen die Bereitschaft westlicher Unternehmen in Frage, sich von Volkswirtschaften abzukoppeln, die ihre Regierungen jetzt als geopolitische Rivalen betrachten“, erklären die Initiatoren der Studie.

Konzerne wie Unilever, das US-Fast-Food-Franchiseunternehmen Subway und der italienische Nudelhersteller Barilla seien weiterhin im Land tätig. Die meisten westlichen Unternehmen, die in Russland nach wie vor aktiv sind, kommen aus Deutschland, heißt es in der Studie weiter.

Trotz dieser Zustände hatte das US-Finanzministerium im vergangenen Jahr türkische Unternehmen bereits schriftlich verwarnt, keine Geschäfte mit Russland durch die Hintertür zu machen. Anfang Oktober hatte die EU ihr 8. Sanktionspaket verabschiedet und darin einem Paragraf eingefügt, der türkischen Unternehmern Kopfzerbrechen bereiten soll.

Kommentar