Jüngster Professor kritisiert Bosporus-Universität 

Jüngster Professor kritisiert Bosporus-Universität 

Jüngster Professor kritisiert Bosporus-Universität 

Jüngster Professor kritisiert Bosporus-Universität 

Die Boğaziçi Universität (deutsch: Bosporus-Universität) gilt als die führende Universität der Türkei. Seit der Ernennung von Prof. Dr. Melih Bulu als Rektor der Bosporus-Universität durch Erdogan, erhitzt sich die Debatte um die protestierenden Studenten und dem Universitätssenat.

Seit Anfang der Woche protestieren Studenten und vereinzelte Mitglieder des Senats der Bosporus-Universität mit einem geradezu martialistischen Aufgebot gegen die Ernennung von Prof. Dr. Melih Bulu. 

Melih Bulu, Mitbegründer der Istinye-Universität in Istanbul sowie ehemaliger Rektor der Halic-Universität in Istanbul gilt als besonnener und unter Akademikern anerkannter und geachteter Wissenschaftler. Dennoch gestaltet sich die Einberufung zum Rektor der Bosporus-Universität für Bulu als Spießrutenlauf.

Bestimmte Kreise innerhalb der Studentenschaft fordern Bulu offen sowie demonstrativ und zum Teil auch gewalttätig auf, von seinem Amt zurückzutreten. Die Mehrheit des Senats drehte sogar demonstrativ Melih Bulu bei der feierlichen Ernennung den Rücken zu, obwohl Bulu trotz des ihm entgegen schlagenden Hasses, auf die Kritiker zuging und das Gespräch suchte.

Woher rührt dieser Hass und dieser penetrante Versuch, Melih Bulu geradezu aus dem Amt zu jagen?

Mit 35 wird Kemal Öke Professor

Prof. Mim Kemal Öke, Absolvent der Robert College in Istanbul, die 1863 als US-amerikanisches Gymnasium und Internat gegründet wurde und bis 1971 auch so hieß, bis sie mit dem Verbot von privaten Hochschulen in der Türkei in der heutigen Bosporus-Universität aufging, hat eine Erklärung dafür. 

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Interview vom 24.05.2019 - GZT.com | Gesamtes Video hier...

Kemal Öke studierte und promovierte nach der Zeit in der Robert College in Cambridge sowie Sussex und war 1990 mit 35 Jahren der erste jüngste Professor der Türkei. Öke kehrte in die Türkei zurück und nahm zwischen 1981 und 1984 als Dozent ein Lehramt in der Bosporus-Universität an. 1990 wurde er in das Atatürk-Institut der Bosporus-Universität berufen, wo er jedoch nur anderthalb Jahr blieb. Sein gleichnamiger Großvater war Leibarzt Atatürks, sein Vater Yılmaz Öke [Yılmaz Ali Bey], CHP-Abgeordneter. Die Mutter Melek Pinar Öke, war zu Lebzeiten Abgeordnete der Demokratischen Partei. 

Öke als Professor in der Bosporus-Universität

Kemal Öke erklärte vor fast zwei Jahren über die Boğaziçi-Universität, er habe damals während der kurzen Zeit als Professor des Atatürk-Instituts der Bosporus-Universität, schreckliche Erfahrungen gesammelt. In einem Interview erklärte Öke zuerst, niemand in der Universität dürfe sich das zu Herzen nehmen, aber "die Boğaziçi-Universität muss sich diese Kritik gefallen lassen".

Die Senats- und Lehramtkollegen und Kolleginnen würden zwar versuchen, kollegial zu sein, eine Zeitlang auch versuchen die Etikette zu wahren, aber sie würden auch deutlich zeigen, wie sie zu jemanden stehen, der nicht aus ihrer Mitte entsprungen und nicht ihre Ideologie teile. 

"Vielfalt, Liberalität, also bitte, sie sollten sich nicht selbst belügen"

Nationalismus oder Religiösität werde in der Bosporus-Universität nicht toleriert. "Sie stoßen dich ab, sie lassen dich das auch spüren und isolieren dich konsequent", erklärt Öke in dem Interview und fügt hinzu, dass sie das erst unterschwellig andeuten, dann spüren lassen, aber letztendlich einem das auch ins Gesicht sagen würden. Von "Vielfalt, Liberalität", mit diesen platten Worthülsen, dürfe sich die Universität jedenfalls nicht brüsten, denn, "sie sollten sich nicht selbst belügen", so Öke weiter.

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