Diyarbakır: 184 Mütter kämpfen um die Zukunft ihrer Kinder

Diyarbakır: 184 Mütter kämpfen um die Zukunft ihrer Kinder

Diyarbakır: 184 Mütter kämpfen um die Zukunft ihrer Kinder

Diyarbakır: 184 Mütter kämpfen um die Zukunft ihrer Kinder

In den 1990er Jahren wäre das in der Türkei kaum vorstellbar, aber heute stehen 184 mutige kurdische Mütter vor der Geschäftsstelle der völkisch-kurdischen HDP in Diyarbakır und fordern Freiheit. Freiheit für ihre Kinder.

Die "Mütter von Diyarbakır" heißt diese mittlerweile an die 184 Frauen angewachsene Gruppe, die seit dem 3. September 2019 vor der Geschäftsstelle der völkisch-kurdischen Partei HDP um die Freilassung ihrer Töchter und Söhne protestiert. 

Maide T. aus Berlin

Die Proteste der Mütter von Diyarbakır haben sich inzwischen ausgeweitet. Seit November 2019 versucht die kurdische Mutter Maide T. aus Berlin, die deutsche Öffentlichkeit auf die Situation ihrer Tochter Nilüfer, die von der terroristischen PKK verschleppt wurde, aufmerksam zu machen.

Nachdem die Mutter mehrere Wochen vor dem PKK-nahen Verein „Navenda Kurdistan“ in Berlin protestiert hatte, entschied sie sich im März 2020, ihren Protest vor dem Reichstagsgebäude, dem Kanzleramt sowie dem Brandenburger Tor fortzuführen.

Kurdische Mütter fordern HDP und PKK heraus

Die Mütter fordern dabei den politischen Ableger der Terrororganisation PKK, die HDP auf, ihre Kinder freizulassen. Die Gruppe beschuldigt also die HDP, ihre Kinder mit politischer Propaganda geködert und an die bewaffnete PKK verhökert zu haben. Sie wollen ihre Kinder davor bewahren, als Kanonenfutter der PKK zu enden.

Das interessante dabei ist nicht so sehr, dass diese Mütter vor der Geschäftsstelle der HDP bei Wind und Regen, bei Kälte und Hitze ausharren. Das interessante ist, dass diese kurdischen Mütter sich in Sicherheit wiegen und deshalb in Diyarbakır seit mehr als 1 Jahr, 4 Monaten und 2 Tagen lautstark auftreten können. 

Früher wären Kritik und Proteste im Keim erstickt worden

Vor langer Zeit war das nicht möglich, sich gegen die PKK zu positionieren. Entweder wurde man von den politischen Aktivisten der PKK mundtot gemacht oder endete in einem Straßengraben. Kritik gegen die PKK war schlichtweg nicht erwünscht. Der erhobene Finger wurde einem samt der Hand abgeschlagen. Reichte das nicht aus, endete man vor einem Volkstribunal der PKK, wo man zum Tode verurteilt wurde. Viele dieser Kritiker der PKK starben oder flüchteten ins Exil.

Video-Datei
18. Juli 2019 - Parteianhänger der HDP tanzen vor dem Protestzelt der "Mütter von Diyarbakır"

Seit mehr als 1 Jahr, 4 Monaten und 2 Tagen protestieren nun kurdische Mütter vor der HDP und müssen Erniedrigungen mitmachen. Sei es nun, dass die Parteigänger der Geschäftsstelle der HDP sie dabei links liegen lassen oder vor ihnen Volkstänze aufführen, ohne dabei auch nur ein Wort darüber zu verlieren, ob sie nun etwas unternehmen, um ihre Kinder von den Fängen der PKK zu befreien.

15 Mütter können aufatmen

Bislang konnten 15 Kinder aus den Fängen der Terrororganisation PKK befreit werden. Seit dem 1. Januar 2020 haben sich darüber hinaus laut Medienberichten insgesamt 144 Anhänger der Terrororganisation PKK den türkischen Sicherheitsbehörden ergeben.

Mütter von Diyarbakır geben nicht auf

Aber jede Erniedrigung, jeder verachtende Blick, jeder Tag, der mit einer Teilnahmslosigkeit der HDP endet, stärkt diese Mütter in ihrem Kampf um ihre Kinder. Dieser Mut, sich der PKK zu widersetzen, der HDP die Leviten zu lesen, fordert auch den Mut weiterer Mütter heraus, sich der Gruppe anzuschließen. 

Das neue Jahr 2021 beginnt nun mit 184 Müttern, die für die Freiheit und Zukunft ihrer Kinder protestieren, während die HDP diese Freiheit weder ansatzweise würdigt noch Anteilnahme zeigt, ja sogar verschmäht und verurteilt. 

Delegation aus Berichterstattern des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarats (KGRE), allen voran Jakob Wienen und Yoomi Renström
Delegation aus Berichterstattern des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarats (KGRE), mit Jakob Wienen und Yoomi Renström

Für die völkisch-kurdische HDP war es nicht von Bedeutung, dass die kurdischen Mütter von unzähligen europäischen Botschaftern und Abgeordneten des EU-Parlaments besucht wurden, die ihnen Solidarität zusicherten. 

Für die völkisch-kurdische HDP war es auch nicht von Bedeutung, dass zahlreiche Persönlichkeiten wie Hülya Koçyiğit, Muazzez Ersoy, Gülben Ergen, Yavuz Bingöl, Hasan Kaçan, Cengiz Kurtoğlu, Ahmet Yenilmez, Bahadır Yenişehirlioğlu oder Hanifi Koç sich mit den Müttern solidarisch zeigten.

Daran änderte sich auch nichts, als zwei Gewerkschaften, mehrere NGO´s und sogar die "Mütter von Srebrenica" sich mit den Müttern von Diyarbakır solidarisch zeigten.

HDP kann sich von der PKK nicht lösen

neun der in Ankara akkreditierten Botschafter*innen aus Asien und Europa.
Besuch einer Delegation von neun der in Ankara akkreditierten Botschafter*innen aus Asien und Europa

Was diese Mütter von Diyarbakır seit mehr als 490 Tagen leisten, konnte die HDP seit ihrer Gründung sich eben nicht leisten: Frei zu sein und Kritik gegenüber der PKK zu üben. Zu keiner Zeit, bis heute...

Wer hat hier wohl die Freiheit wiedererlangt? Wer kann das Wort Freiheit für sich in Anspruch nehmen?

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