Deutsches Propagandaorgan: Deutsche Welle Türkçe

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Glaubt man den kurzen Internetvideos der deutschen Propagandamedien wie DW Türkçe (Deutsche Welle Türkisch), ist in der Türkei aufgrund der vorherrschenden Corona-Krise alles doch nicht so rosig, wie es der Gesundheitsminister Dr. Fahrettin Koca oder Erdogan darstellen. Schlimmer noch, die Todesopfer in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind angeblich um ein vielfaches höher.

Der Auslandsrundfunk Deutschlands und Mitglied der ARD, DW Türkçe, übermittelt seit mehr als 10 Jahren auch Nachrichten in türkischer Sprache in der Türkei und im Ausland. Mit Beiträgen verbreitet sie offenbar seit längeren auch die offizielle Linie der Bundesregierung: Die vermeintlich unkontrollierte Covid-19-Bekämpfung in der Türkei durch die türkische Regierung führt im Ländervergleich zu einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Todesopfern. 

Mit Beiträgen, Kurzinformationen oder Internetvideos in sozialen Netzwerken wird u.a. suggeriert, warum die Zahlen der türkischen Regierung nicht stimmen können, nicht stimmig sind. Dazu werden immer wieder auch Kurzinterviews von "Experten" eingeblendet, die das bestätigen sollen.

Deutsche WelleTürkçe hat es faustdick hinter den Ohren

Ein solcher Beitrag wurde am Montag über Twitter geteilt. Darin geht es um die von der türkischen Regierung angeblich niedrig angegebenen Zahlen über Todesopfer in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In der Einleitung im Tweet-Beitrag an der auch ein Videobeitrag angehängt ist, wird in türkischer Sprache erst der Eindruck erweckt, die Zahlen zu den bisher von der türkischen Regierung angegebenen Todesopfern seien um ein vielfaches höher - also rund 80.000. Ein Akademiker namens Prof. Onur Başer aus den USA habe anhand statistischer Erhebungen festgestellt, dass diese Zahlen 4-fach höher liegen würden, so in der Einleitung zum Videobeitrag.

Klickt man nun auf den Videobeitrag selbst und verfolgt diesen, entpuppt sich die zuvor gestellte konjunktive Steilvorlage kurz danach schnell als Schwindel, zumal gleich zu Beginn die Moderatorin in türkischer Sprache von "olabilir", also "kann" spricht - und nicht mehr von einer Tatsache, wie der Einleitungstext zuvor vorgab. Das heißt, Prof. Onur Başer, der diese statistische Erhebung durchführte, vermutet nur, dass die Zahlen um das 4-fach höher liegen könnten. 

Nun ist es doch so, dass die meisten Leser von solchen Kurzbeiträgen, ob in sozialen Medien oder im Onlineportal, nur die Kurzeinleitung zu irgendwelchen Berichten oder Videobeiträgen lesen und den interessanteren Rest links liegen lassen. Sprich, sie lesen oder schauen sich den Bericht oder das Video erst gar nicht mehr an, weil ihre Mutmaßungen und Verdachtsmomente bestätigt werden. Damit wird also der Leserschaft bereits mit der Einleitung ein bestimmtes Bild eingeimpft oder verstärkt: Die eines Landes, die ihre eigenen Bürger nach Strich und Faden belügt, um an der sogenannten "Macht" zu bleiben. Nur, wenn die Deutsche Welle Türkçe aber selbst in Konjunktiv arbeitet, um im ausführlichen Bericht dann die Leserschaft vor den Kopf zu stoßen, dann wird man hellhörig.

Was ist also dran an dieser statistischen Erhebung?

Laut offiziellen Zahlen starben in der Türkei im Jahre 2019 insgesamt 435.941 Menschen - unabhängig davon, ob natürlichen oder unnatürlichen Ursprungs. Istanbul allein hatte dabei einem Anteil von 22,2 Prozent und damit 96.779 Todesfälle zu verzeichnen.

Zum Vergleich:

  • 2018 waren es 426.449 Menschen.
  • 2017 waren es 425.781 Menschen.
  • 2016 waren es 422.135 Menschen.
  • 2015 waren es 405.218 Menschen.
  • 2014 waren es 391.009 Menschen.

Am 11. Januar 2021 gab das türkische Gesundheitsministerium insgesamt 22.981 Todesopfer in Zusammenhang mit Covid-19 an (gezählt ab 11. März 2020). Am 11. Januar 2021 kamen laut Regierungserklärung 174 Todesopfer hinzu. 

Die Todeszahlen in Istanbul selbst schwankten in diesen Jahren 2014 bis 2018 zwischen 75.000 bis 90.000, wobei 2017 75.052 Istanbuler verstarben. Man beachte dabei: Die schwankenden Zahlen haben u.a. auch mit den Influenza-Grippewellen zu tun, die jährlich anders verlaufen. Mal fallen solche Grippewellen schwach aus, mal wieder stark, was sich auch auf das Jahr hinaus auf die Todeszahlen auswirkt - Katastrophen nicht miteingeschlossen.

Wissenschaftler sprechen in Istanbul von 18.180 zusätzlichen Opfern

Laut der Wissenschafts-Akademie (sarkac.org), einer Online-Plattform für Wissenschaftler und Interessenten, zählte man nach eigenen erhobenen Zahlen allein in Istanbul zwischen dem 1. Januar und 30. Dezember 2020 18.180 zusätzliche Todesfälle, die man vorsichtig geschätzt auf die Corona-Pandemie zurückführt. Die Akademie arbeitet dabei mit verfügbaren Zahlen aus Sterberegistern, offiziellen Verlautbarungen sowie städtischen Datenbanken, die in Grafiken und Tabellen anschaulich dargestellt werden. Auch hierzu hat sarkac.org bei der jüngsten Berechnung als Durchschnitt zu den Todeszahlen von 2020 auch die Todeszahlen von 2015 bis 2019 statistisch erfasst und gemeinsam dargestellt.

Rechnet man nun die vorhandenen Zahlen und Schätzungen (sarkac.org) aus Istanbul hypothetisch zu 2020 wieder hoch, um die landesweiten Todesopfer vorhersagen zu können - was zunächst einmal immer noch keine wissenschaftliche Aussagekraft hat und von den Akademikern auch so kommuniziert wird, wären wir mit 96.779 (2019) durchschnittlichen sowie 18.180 (2020) erfassten zusätzlichen Todesfällen bei insgesamt 114.959 (2020) Todesopfern allein in Istanbul. Also ein Zuwachs an zusätzlichen Todesopfern aufgrund der Covid-19-Pandemie von rund 18,7 Prozent.

Wir können auch andere Facharbeiten von Prof. Onur Başer (er wird in dem Video-Beitrag interviewt) aus dem Netz ziehen, in dem er u.a. einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte sowie Covid-19-Ausbreitung zieht. Das heißt, je dichter eine Bevölkerung in einer der 81 Provinzstädten lebt, desto häufiger bzw. schneller verbreitet sich das Covid-19-Virus und desto mehr Todesfälle sind zu befürchten. Es versteht sich von selbst, dass Istanbul aufgrund der sehr hohen Bevölkerungszahl und Besiedelungsdichte dabei eine Spitzenrolle einnimmt, was auch nachfolgende Feststellung erklärt.

Nach Zahlen des türkischen Gesundheitsministerium entfielen allein auf Istanbul mit 16 Millionen Einwohnern ca. 60 Prozent der bestätigten landesweiten Covid-19-Fälle.

80.000, 35.000 oder 22.981 Todesopfer?

Wenn man nun alles mal hochrechnet und statistisch zusammenfügt, kommt man landesweit auf zusätzliche 35.000 Todesfälle (zwischen dem 1. Januar und 30. Dezember 2020) - zu 22.981 Todesopfern seit dem Auftreten der Corona-Pandemie, die von der Regierung bekannt gegeben wurden und zwischen dem 17. März 2020 bis 11. Januar 2021 erhoben wurden. Das sind landesweit also durchschnittlich 8 Prozent mehr Todesopfer.

Wie kommt die Deutsche Welle Türkçe oder Prof. Onur Başer also auf rund 80.000 Todesfälle? Prof. Onur Başer stützt sich dabei auf russische Statistiken. Offenbar wollte Deutsche Welle Türkçe damit nicht nur die Zahlen hochtreiben, sondern mit Prof. Onur Başer den Kurzbericht auch akademisch aufwerten. Die Deutsche Welle Türkçe stellt die Zahlen in der Kurzeinführung zum Video also faktisch als gegeben dar und bedient sich dabei einer akademischen Arbeit, während dieser selbst aber von einer Wahrscheinlichkeit spricht. Der Auslandsrundfunk Deutschlands verkommt daher immer mehr zu einem Propagandamedium, die im Dienste der Bundesregierung steht.

 

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